Wandern im Elbsandsteingebirge


Unpassierbare Wege im Nationalpark Sächsische Schweiz

Wanderweg im Großen Zschand durch umgebrochene Bäume unpassierbar.
Wanderweg im Großen Zschand - derzeit unpassierbar und kreuzgefährlich

Bad Schandau / Sebnitz/ Hinterhermsdorf, April 2021:

In der Hinteren Sächsische Schweiz, insbesondere auf dem Gebiet des Nationalparks, liegen vielerorts tote Fichten auf den Wegen und erschweren das Vorwärtskommen oder machen die Wanderwege und Bergpfade sogar gänzlich unpassierbar. Überall stehen morsche, abgestorbene Fichten, die jederzeit umfallen oder zusammenbrechen können. Über den Wegen hängen angebrochene Fichten, die jederzeit weiter herunterbrechen können.

Die Nationalparkverwaltung Sächsische Schweiz rät von Wanderungen in diesem Gebiet ab. Die Gefahr durch spontan umstürzende Bäume, insbesondere in der Hinteren Sächsischen Schweiz, ist akut! Jeder, der diese Wege begeht, begibt sich in Lebensgefahr.

Der Nationalpark informiert auf seiner Webseite relativ aktuell über gesperrte und unpassierbare Wanderwege.

Der Reitsteig im nebenstehenden Foto ist ein Wanderweg im Großen Zschand und schon seit 2018 unpassierbar.

 

Einige Touren meiner Wanderführer sind nun leider von der derzeitigen Situation ebenfalls betroffen und können nicht in der beschriebenen Weise gewandert werden. Bitte informiert Euch vor Tourbeginn über die aktuelle Lage!

 

- Aktuelle Informationen der Nationalparkverwaltung zu unpassierbaren Wegen.

 

Die Liste der betroffenen Wege wird täglich (!) länger und betrifft im Prinzip das ganze Gebiet zwischen dem Affensteinriff, dem Großen Winterberg bis zur Oberen Schleuse bei Hinterhermsdorf, also Kleiner und Großer Zschand, Pohlshorn, Winterstein, Bärfangwände, Goldsteig, Königsweg... Die Nationalparkverwaltung konzentriert sich im Moment auf die Wegesicherung von Straßen und Rettungswegen. Vor Ort werden Wanderer auf Schildern vor unpassierbaren Wegen und Gefahren durch Totholz in Form von stehenden, abgestorbenen Bäumen sowie herabfallenden Ästen gewarnt. Insbesondere bei windigem Wetter sollte man unbedingt vermeiden, in diesen Gebieten unterwegs zu sein.

 

Auf vielen Wanderwegen in der Hinteren Sächsischen Schweiz besteht ein großes Risiko durch abgestorbene Fichten.
Der Rabensteinweg ist laut Nationalparkverwaltung wieder freigeschnitten (3.5.21). Die Gefahr durch Baumbruch in dieser Wanderregion bleibt! (Foto © Franziska Rößner)

Wanderfreunde und Kletterer berichteten in den letzten Wochen über immer mehr betroffene Wegabschnitte. Viele davon sind auf der vereinfachten Wanderwege-Karte des Nationalparks gar nicht dargestellt, denn darin findet man nur die wesentlichen Hauptwanderrouten. Auch wenn die Nationalpark versucht, einzelne Hauptwanderwege wie den Roßsteig noch einigermaßen freizuhalten, ist vor allem weniger Ortskundigen zu empfehlen, dieses Waldgebiet zu meiden. Wer bisher lieber spannende Wege im Gelände wanderte, wie die abenteuerlicheren Bergpfade oder Kletterzugänge, findet dazu keine offiziellen Informationen. In Fichten-Totholz-Bereichen ist auf solchen Pfaden schon jetzt kaum mehr ein Durchkommen möglich.

Man sieht auf dem Foto des Rabensteinwegs im Kirnitzschtal, wie die morschen Stämme einfach abgebrochen sind...

Dort wo die toten Fichten jetzt noch fröhlich in den Himmel ragen, ist es nur eine Frage der Zeit, dass sie ebenfalls zusammenbrechen. Vermutlich wird es auf eine Sicht der nächsten ein bis drei Jahre extrem gefährlich bleiben und im Laufe des Jahres 2021 werden viele Wanderwege und Bergpfade in Teilen nicht mehr begehbar sein.

Grundsätzlich gilt dies ebenfalls für Wanderungen in der Böhmischen Schweiz!! Insgesamt ist sehr wahrscheinlich, dass dieses Problem noch in den nächsten Jahren akut bleiben wird und sich auch auf weitere Wandergebiete ausweiten wird. Deshalb ist auch der Sächsische Bergsteigerbund aktiv geworden und fordert ein schnelles, unbürokratisches Handeln.

- Informationen des Sächsischen Bergsteigerbundes

 

Baumstürze in der Hinteren Sächsischen Schweiz gefährden offizielle Wanderwege.
Foto, Februar 2021: Auf dem beliebten Hauptwanderweg unweit der Oberen Schleuse im Kirnitzschtal - so lieber nicht! (© Franziska Rößner)

Doch wie ist es dazu gekommen? Drei Jahre Dürre und Borkenkäferinvasion haben besonders im  Nationalpark für eine beschleunigte Dynamik der natürlichen Entwicklung gesorgt. Die Fichten, die dort großflächig wuchsen, sind nun fast vollständig abgestorben und brechen immer mehr um. Pilze zersetzen bereits das Holz der noch stehenden Baumskelette, so dass diese später einfach in sich zusammenbrechen. Im Nationalpark ist solch eine Entwicklung ein natürlicher Prozess, der hier ungesteuert ablaufen darf und soll. Auch wenn die Ursachen weniger natürlichen Ursprungs sind (frühere Forstwirtschaft, heutiger Klimawandel). Es ist Ziel eines Nationalparks, der Natur Raum und Zeit für eine ungestörte Entwicklung zu geben. Der junge Wald steht bereits in den Startlöchern. Neue Lebensräume entstehen.

 

Wald im Nationalpark Hintere Sächsiche Schweiz, wo sich gerade eine neue Wildnis entwickelt.
Foto: Nationalpark Hintere Sächsiche Schweiz. Eine neue Wildnis entsteht. (© Franziska Rößner, Frühjahr 2021)

Zahlreiche Arten siedeln sich vermehrt an, neue Lebensgemeinschaften bilden sich. Der Wald wird lichter, abwechslungsreicher und ein Stück mehr „wilder“. Mit Sicherheit ist die derzeitige Unbegehbarkeit zugleich eine große Chance für die Tier- und Pflanzenwelt, sich weitgehend ungestört von Besuchern zu entwickeln. Aktuell beginnt wieder die Brutsaison unserer bunten Vogelwelt. Wanderfalke, Schwarzstörche und Uhu wissen die uns Menschen von der Naturgewalt auferlegte Ruhe ebenfalls zu schätzen.

Von März bis Ende August ist in vielen Gebieten Vogelschonzeit. Die Nationalparkverwaltung muss ihrem Schutzauftrag gerecht werden und kann erst danach in sensibleren Waldbereichen beginnen, einzelne Wegachsen wieder begehbar zu machen. Viele Wanderfreunde haben Bedenken, dass weitere Wanderwege angesichts des großflächigen Borkenkäferbefalls unpassierbar werden, auf Jahre unbegangen und mit Totholz beladen, in naher Zukunft zuwachsen und dann nicht wieder geöffnet werden könnten.

 

Hoffen wir auf eine zeitnahe Lösung des Konflikts zwischen Nationalpark und Tourismus im Sinne von: "Nationalpark auch für uns Menschen!"

Wir dürfen also gespannt sein und vorerst auf die vordere Sächsische Schweiz und die linkselbigen Gebiete mit den Tafelbergen ausweichen, wo die Gefahrenlage durch Totholz geringer ist.

 

 

Auch auf dem Malerweg gibt es Einschränkungen

16.4.21: Die Passage Neumannmühle/Buschmühle - Arnstein - Kleinstein - Großes Pohlshorn - Zeughaus wurde von der Nationalparkverwaltung als derzeit unpassierbar gemeldet! Größere Gefahren bestehen vor allem zwischen Arnstein und Kleinstein sowie im Abschnitt Großes Pohlshorn-Kirnitzschtal-Dreisteigensteig-Flügel E/Abzweig Teichstein. Diesen Abschnitt könnte man abkürzen:  Dazu folgt man der grünen Markierung von der Felsenmühle bzw. dem Abzweig Ferkelschlüchte Richtung Winterberg durch den Kleinen Zschand, an der Kreuzung Zeughausstraße gehen wir links Richtung Zeughaus. (ca. 45min) Auf der Zeughausstraße hat man sehr schöne Ausblicke zu Lorenzstein, Kanstein, Teichstein, Raumberg, die Bärfangwände mit dem "Raubschloss" davor und zu den Affensteinen. Die Problematik wird derzeit in der AG Wanderwege des Umweltministeriums intensiv diskutiert. Eine schnelle Lösung wurde auf der letzten Sitzung im April 2021 dringendst eingefordert.

 

Vorübergehende Sperrung von Wanderrouten in der Böhmischen Schweiz

Umgebung von Černá brána und Brtnický hrádek

Aufgrund des beschriebenen hohen Risikos sperrt die Nationalparkverwaltung der Böhmischen Schweiz vorübergehend den blau markierten Wanderweg zum Schwarzen Tor (Černá brána) zwischen Hadí pramen und Panenská-Jedla und den grün markierten Wanderweg zur Zeidlerburg (Brtnický hrádek) zwischen der Kreuzung Písečná brána und dem Tal des Vlčí potok. Ebenfalls Vorsicht ist geboten beim Weiterweg zum Wolfsberg durch das unmarkierte Tal des Kleinen Wolfsbaches (Malý Vlčí potok)! (Stand 2.4.21)

Auch der rote Wanderweg von Mezní Louka nach Malá Pravčická brána über den Rauschenberg ist wegen Windbruch gesperrt worden. Auch der Zugang zur Felsenburg Šaunštejn ist gefährdet. (Stand 1.2.21)

 


Felsenburg Šaunštejn - Steiganlage wird erneuert

Ein Teil des Burgfelsens Schauenstein in Böhmen ist derzeit gesperrt und wird saniert.
Foto: dieser Teil des Burgfelsens ist derzeit offiziell gesperrt, soll aber noch im Jahr 2021 umfassend saniert werden.

Vysoká Lípa / Hohenleipa, Sommer 2020: Die böhmische Nationalparkverwaltung informiert, dass aufgrund der Baufälligkeit einiger Metallbrücken auf der Spitze der Felsenburg Šaunštejn zur Zeit nur der nördliche Teil des Felsens für Besucher zugänglich ist.  Die Verwaltung des Nationalparks rechnet mit einer Reparatur in den Jahren 2021 - 2022. Nach aktuellen Medienberichten soll die Steiganlage und Plattform in 2021 umfassend erneuert werden.

 

Von der Ende des 14. Jahrhunderts zum Schutz der Alten Böhmerstraße erbauten Burganlage sind heute noch Fundamente der hölzernen Aufbauten, ausgemeißelte Räume, eine große Zisterne sowie mehrere Felseinmeiselungen erhalten. Der derzeit zugängliche Nordteil des Gipfels in dieser Hinsicht besonders interessant. Der luftige Aufstieg lohnt sich also trotz des Hinweises! Die Aussicht ist Klasse und reicht vom Kaltenberg, über Rosenberg, Hoher Schneeberg bis ins Osterzgebirge. Ein wenig Vorsicht ist bereits im Aufstieg über die steilen Leitern angebracht! Wer den rustikalen Charme nochmal geniessen will, sollte die nächste Gelegenheit nutzen, bevor die neuen Stahlkonstruktionen a la Falkenstejn angebracht werden....

 


Tipp: Felsenburg Falkenštejn

Stahlkonstruktionen auf der Felsenburg Falkenstejn verändern das Antlitz des Sandsteinfelsen hin zu einem Freilichtmuseum.
Auf der Felsenburg Falkenstejn: Bis vor ein paar Jahren war dieser Felsen nur durch Felsklettern zu besteigen. Heute gleicht der Fels eher einem Freilichtmuseum.

Jetřichovice / Dittersbach: Die Felsenburg Falkenštejn befindet sich nur 10 Gehminuten vom großen Parkplatz in Jetřichovice entfernt. Von der einstigen, mittelalterlichen Felsenburg sind heute nur noch wenige Reste erhalten, an denen man jedoch gut den Aufbau der Burganlage nachvollziehen kann. Erhalten ist ein großer ausgemeißelter Raum, zahlreiche Balkenlager und in den Stein gehauene Treppenstufen. Schwer zu sehen ist der bemerkenswerte Brunnen. In einem Felsspalt gelegen, wurde er vermutlich circa 25 Meter tief in den Sandstein hineingetrieben.

Bis vor wenigen Jahren konnte der Felsen nur von kletterfreudigen Menschen bestiegen werden. Heute "ziert" ein überbordender, stählerner Rundgang das Gipfelplateau und erschließt den geschichtsträchtigen Platz für die Allgemeinheit. Vielleicht hätte es ein bisschen weniger auch getan...

Skizzenhafte Darstellung des Burgfelsens nach archäologischen Untersuchungen.
Die Ansicht des Burgfelsens bevor dieser für Jedermann zugänglich gemacht wurde.

Zur Geschichte der Burg ist nicht viel bekannt. Archäologen schätzen, dass der Burgfelsen seit Ende des 13. Jahrhunderts genutzt wurde. Bekannt ist, dass die Burg als Stützpunkt für Raubzüge diente. Seit 1406 war das Adelsgeschlechts der Berken von der Duba im Besitz der Burg. 1428 gelangte die Burg in den Besitz von Siegmund von Wartenbergk zu Tetschen.

Vermutlich wurde die Anlage im Zuge der Hussitenkriege zerstört oder einfach aufgegeben, denn in der Umgebung gab es noch weitere Burgwarten, die möglicherweise deren Aufgaben mit übernahmen. Durch die ausgeprägte Bearbeitung des Sandsteins blieb die Erinnerung an die Burg für uns erhalten.

 

 

 


Zwei historische Jagdhütten im Nationalpark abgebrannt

Die beiden historischen Blockhäuser im Nationalpark Böhmische Schweiz, Na Tokani / Balzhütten, sind im Jahre 2020 abgebrannt.
Die historischen Balzhütten (Na Tokani) wie sie viele Jahre Wanderer zur Rast einluden. (© Kaj Kinzel)

Jetřichovice / Dittersbach, Mai 2020:

"Balzhütten (Na Tokani)"

Von Fürst Kinsky einst als Jagdhütten errichtet, waren die beiden großen Blockhäuser im Schweizerstil für viele Jahre beliebtes Wanderziel inmitten des böhmischen Nationalparks. Die als Kulturdenkmal geschützten Häuser gehörten zu einem Ensemble von sechs Blockhäusern. Ein Übergeifen der Flammen konnte verhindert werden, so dass die anderen Gebäude erhalten blieben und sogar zur Zeit wieder ein Imbissbetrieb im ehemaligen "Fürstenhaus" möglich ist. Es befindet sich ganz in der Nähe, am Ende der Zufahrtsstraße, 200 m weiter südwestlich.

 

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